Endlich Frieden!
Frieden wäre schön. Sowohl bei der Weltlage, als auch in mir. Aber woher nehmen wir ihn und wer hilft uns dabei? Ein Psalmist weiß eine Antwort, ein Prophet schenkt Hoffnung.
Frieden wäre schön. Sowohl bei der Weltlage, als auch in mir. Aber woher nehmen wir ihn und wer hilft uns dabei? Ein Psalmist weiß eine Antwort, ein Prophet schenkt Hoffnung.
Wer denkt, glaubt tiefer, ist Gerrit Mathis überzeugt, auch wenn es anstrengend ist. Lohnt sich aber.
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Glück wäre schön. Ist aber meistens Glückssache, Zufall. Über den können wir mit dem lieben Albert Einstein sagen, er sei Gottes Art, anonym zu bleiben. Klingt hirnig-herzig-schön, aber will Gott unser Glück überhaupt? Die neue Luther-Bibel spuckt das Wort „Glück“ gerade 16 Mal aus, Apokryphen inklusive, kein einziges Mal davon im neuen Testament, außerdem lässt sich „Glück“ oft auch einfach mit „Gelingen“ übersetzen, ist also streng genommen nicht mal Glück. Und „glücklich“ schafft es sogar nur 14 Mal, ebenfalls neutestamentfrei. Gott und Glück? Das scheint keine gute Kombi zu sein und als Konsequenz höre ich dann oft: Gott hat ja auch nie versprochen, dass wir glücklich sind. Was dann? „Er will, dass wir uns an seine Gebote halten, das macht dann schon glücklich.“ Aber dann ist das Ziel ja doch unser Glück, bloß dass Gott sich weniger mit dem Ziel befasst, als mehr mit dem Weg dorthin. Aber wer redet denn ständig über den Weg, ohne das Ziel klar zu benennen? Jeder Motivationstrainer weiß es mit Antoine de Saint-Exupéry: „Wenn du ein Schiff bauen willst, such nicht Männer, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit zu verteilen, sondern wecke in den Menschen die Sehnsucht nach dem großen und schönen Meer.“
Wonach wir uns nicht sehnen, das gehen wir auch nicht beherzt an. Womit die beiden tatsächlich wichtigen Begriffe gefallen sind: Sehnsucht und Herz.
Wonach sehnen wir uns? Was berührt unser Herz, wenn wir davon hören? Ich glaube, genau das, womit unser Text von Jesaja endet: Frieden. Endlich Frieden. Das wäre schön. Nicht erst jetzt, wo in der Ukraine dieser erbarmungslose und fürchterliche Krieg herrscht. Für Unfrieden reicht schon die Familie, ein Mitschüler, ein einziger Kollege. Sie können alles kaputt machen, den Frieden verhindern. Wer Friede und Frieden in der Lutherbibel sucht, bekommt über 300 Stellen ausgespuckt, „friedlich“ noch gar nicht mitgezählt. Rein statistisch schlägt Friede das Glück also deutlich, aber auch inhaltlich. Glück ist Moment. Wir erleben das Glück, es packt uns, erfasst und erfüllt uns. Kurz, schön, heftig. Und merken, dass Festhalten nicht funktioniert – hauch – schon ist es wieder weg. Das Leben geht weiter, der Glücksmoment verpufft. So schön Glück auch sein mag, es ist vor allem Erinnerung, Vergangenheit. Nicht nichts, aber doch wenig. Frieden dagegen hat eine völlig andere Qualität. Frieden ist Dauer, ein Zustand, nicht zementiert, sondern ein Rahmen, der Freiheit gibt, Sicherheit, Ruhe und die Gewissheit, dass ich hier tatsächlich ganz ich sein kann und darf.
Frieden ist der Zustand, mit dem Gott das Paradies beginnt. „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch“, sagt Jesus später und hier erzählt Jesaja, dass Gott das Volk Israel in Frieden leitet. Frieden ist das große Ziel. Ein bleibendes Ziel, weil Frieden dauerhaft sein kann im Gegensatz zum Glück, das nur den Moment gewinnt. Gott reicht der gute Moment für uns offenbar nicht, Gott will mehr. Und genau davon strotzt der ganze Textabschnitt Jesajas von gerade: Gott will mehr. Gott reicht kein Unentschieden, Gott will gewinnen. Uns will er gewinnen und mit uns blühenden Reichtum erleben: Frieden und all das, was auf ihm und aus ihm gedeihen kann. Das ist nichts Materielles, das erfüllt Herz und Seele.
Nur wir, wir zicken rum. Uns muss er sagen, dass wir uns doch endlich mal ihm zuwenden sollen, damit’s gut für uns wird. Bloß, dass uns dieses Denken so völlig fremd ist. Wir denken in Ausgleich, Pflicht und Erfüllung, Aufwand und Ertrag, Einsatz und Erfolg. Wir schauen auf uns und wie wir mit vielem daneben liegen, was wir alles kaputt machen an Umwelt, an Natur, an Miteinander, Liebe und Beziehung. Wir lehnen ab, bleiben innerlich kalt, teilnahmslos, wenden anderen den Rücken zu, um für uns zu behalten, was wir endlich für uns ergattert haben. Mit so einer Bilanz zu Gott zu kommen – keine gute Idee, flüstert uns eine leise Stimme ein. Irgendwie müssten wir ja raus aus den roten Zahlen und die schwarze Null schaffen, wenn wir zu Gott kommen. Wir können Mathe. Aber Gott kann Vergebung. Gott sagt: „Stimmt doch gar nicht. Kommt endlich, ich bin doch barmherzig, erbarme mich. Ich nehme den ganzen Dreck und tschüs! Ihr seid mir doch wichtig! Um euch geht es mir doch. Ich sehe doch, wie ihr euch rumplagt und abrackert mit euren Problemen, eurer Schuld, wie ihr alles immer auf andere schiebt, weil ihr selbst damit nicht klarkommt. Ich mache das klar, erbarme mich, vergebe euch, mache den Neuanfang. Euer Denken ist das nicht. Ihr wollt gegenrechnen, Vergehen gegen Wiedergutmachen, aber wir wissen doch, das funktioniert nicht. Ich denke anders. In Liebe. Und gehe andere Wege, die ihr mitgehen könnt.“ Gott will sich auch nicht unser Leben lang damit rumschlagen, dieses Vergebungsding wieder und wieder von vorne zu beginnen. Mit Jesus ist das ein für alle Mal durch. Deshalb ist es ihm auch zu wenig, wenn wir sagen: „Ich bin so froh, dass Jesus mir vergeben hat und mich im Himmel erwartet, wenn ich eines Tages sterben werde.“ Das ist zu wenig. Damit gibt Gott sich – Achtung, wichtiges Wortspiel – nicht zufrieden. Weil es kein Frieden ist. Vergebung erfahren zu haben, ist lebenswichtig und trotzdem zu wenig. Das reicht Gott nicht. Erst wenn es danach weitergeht, ergibt das Vorher einen Sinn, gelangen Umkehren, Vergeben und Erbarmen an ihr Ziel. Wer Vergebung gegen Schuld rechnet und dann unter dem Stichwort „Heiligung“ Gott Gutes zurückzugeben will, das geradezu von sich fordert, weil wir das Gottes Liebe ja schuldig seien und keine „billige Gnade“ haben wollen, der bleibt in Wahrheit dem Schulddenken verhaftet und verweigert den Frieden, den Gott für uns vorgesehen hat.
Denn darum geht es Gott: Er will etwas in uns und für uns bewirken. Auf Umkehren, Erbarmen und Vergeben soll etwas aufbauen: das erst ist das wirklich Wichtige. Und es ist kein Zufall, dass das ausgerechnet ein Beispiel aus der Landwirtschaft klarmachen soll: Der Regen kehrt nicht zurück nach dem Motto: Vergebung erledigt, zurück ins Hauptquartier Himmel. Sondern: Bleiben. Die Erde tränken, ihr zu trinken geben, sie zum Leben befähigen. Und dann sollen sie sprießen, ausschlagen, blühen, wachsen und gedeihen, die Pflanzen! Was daraus wächst, soll Leben ermöglichen, satt machen, Frieden bringen. Erst wenn Frieden da ist, haben Umkehr und Vergebung Sinn ergeben und ihr Ziel erreicht. Dann können wir gemeinsam feiern, fröhlich sein, auch gemeinsam arbeiten und schwere Situationen im Leben gemeinsam meistern, können wir heil werden, können wir tief lieben. Wenn Friede herrscht, gelingt das. Und Gelingen war? Genau, Glück. Auf Frieden können wir Leben aufbauen, Blühen, Wachsen, Gedeihen, Gestalten, Heilen, Lieben. Frieden zu erreichen heißt, das Leben zu gewinnen. Denn Gott ist ein „Gewinner-Typ“, der sich mit einem Unentschieden oder der schwarzen Null nicht zufriedengibt: Er will den Frieden gewinnen sehen, weil darin unser Leben steckt. Und der Weg zu diesem Frieden? Ist gar keiner. Frieden ist der Weg. Mahatma Ghandi hat’s erkannt, Jesus hat‘s gelebt: Frieden beginnt in mir, wenn ich den Unfrieden in mir erkenne und Jesus Christus hinlege. Mich ihm öffne, meine Verletzungen, meine dunklen Seiten, meine Zweifel, meine Sorgen und Ängste, meine Krankheit, meine Ausweglosigkeit. Alles. Damit ich loslassen kann und Frieden finde und lebe.
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