Ihre Zeit ist abgelaufen
Was ist das? Es verrinnt unter den Händen und kommt nicht wieder zurück? Ja, richtig. Die Zeit.
Was ist das? Es verrinnt unter den Händen und kommt nicht wieder zurück? Ja, richtig. Die Zeit.
„Ihre Zeit ist abgelaufen.“ Dieser Satz erwischt mich immer etwas kalt, beim Onlinebanking. Sobald ich ein paar Sekunden nicht aktiv bin, denkt meine Bank, dass ich weg bin und meldet mich ab. Sicherheitsgründe. Eine gute Sache. Doch ich muss mich danach wieder neu anmelden! Lästig. Außerdem ärgert mich dieser Satz: „Ihre Zeit ist abgelaufen.“ Es erinnert mich zu sehr an meine Lebensuhr, die abläuft. Sekunde um Sekunde. Ein komisches Gefühl. Allerdings erinnert es mich auch daran, dass ich die Zeit, die ich habe, auch nutze. So nutze, dass es für mich und andere eine gute Zeit ist. Wenn Jesus zu seiner Zeit Menschen, die krank oder von der Gesellschaft ausgestoßen waren, geheilt und zurückgeholt hat in die Gemeinschaft, dann hat er ihnen damit auch immer ein Stückweit neue Lebenszeit geschenkt. Solche Lebenswenden lassen die restliche Lebenszeit in einem anderen Licht erscheinen. Da ist plötzlich Mut da, Langersehntes endlich in die Tat umzusetzen, neue Wege zu gehen. Das Leben wird bewusster gelebt. Vielleicht braucht es dazu nicht mal ein alles veränderndes Ereignis? Jesus hat dem Geheilten gesagt: Steh auf! Nimm dein Bett und geh! Das höre ich, wenn die Zeit beim Onlinebanking abläuft.
Die Bank könnte auch 10 Minuten lang schreiben „Ihre Einlogg-Zeit läuft noch und beträgt noch xx Minuten“ und dann: „Leider waren Sie in den letzten 10 Minuten nicht aktiv, bitte loggen Sie sich neu ein, wenn Sie uns noch brauchen.“ Der Satz, wie oben angegeben, löst Ängste aus, ganz klar. Er erinnert daran, dass die eigene Lebenszeit mal abgelaufen ist und dieser Zeitpunkt macht Unbehagen, das ist menschlich.
Im Software-Bereich stelle ich viele Sachen fest, mit denen der Programmierer seine individuelle Macht scheinbar auslebt. Beispiel: Ich gebe einen neuen Kontakt ein und dabei springt der Cursor auf Namenspräfix und nicht auf Name, was ich eigentlich eingeben will (Kaum jemand braucht diesen blöden Namenspräfix). Gibt man trotzdem dort den Namen ein, findet man den Kontakt später nicht mehr und man fragt sich, ob man denn blöd sei, weil man sich relativ sicher ist, dass man die Telefonnummer als Kontakt angelegt hat. Was geht im Programmierer vor, wenn er feststellt: Oh – das könnte zu Problemen führen, wenn ich es so lasse. Manchmal denke ich sogar, dass Programmierer belustigend denken: Haha, da wird so Mancher und so Manche reintappen und sich ärgern.
Nun stellte ich im christlichen Bereich fest, dass sie mit dem Allerheiligsten des Menschen umgehen, wie eben auch dieser Beitrag (Ihre Zeit ist abgelaufen oder wird ewig weitergehen). Sie gehen mit dem Thema um, ob ein höherstehendes Wesen, das für die Existenz des Menschen verantwortlich ist, über dieses Menschen-Wesen gute Gedanken hat, es in den Himmel holt (oder es womöglich in die Hölle schickt).
Das sind für Menschen extrem existentielle Angelegenheiten. Das Neue Testament verzichtet nicht auf solche Hammer-Aussagen, obwohl es durch Jesus ganz viele schöne Aussagen und Verhaltensweisen gibt (Joh. Kap. 4, Jesus spricht mit der Frau am Brunnen über Sinnfragen und die richtige Form der Anbetung).
Gibt es so typische Software-Programmierer im Bibel-Auslegebereich? Meine Antwort: ja
Warum wird gleich „ewiges Leben“ versprochen? Meine Antwort: verdächtig komisch
Würde nicht ein Weiter-Lebens-Versprechen reichen? Ja, das scheint plausibel.
Sollen ganz arg verletzende Frauen und Männer in die Hölle kommen? Im Sinne einer Strafe, schon hin- und wieder angemessen, aber dann eben auch nicht ewig – oder doch?