Junge Frau in weißem Kleid. Steht auf einer befahrenen Straße in einer Großstadt. Hochhäuser udn Menschen im Hintergrund. Sie strahlt den Betrachter:in freudig und entspannt an.
Foto: erstellt durch KI

Die oder der Neue?

Neu! Ist doch cool! Mal ehrlich: Bist du gerne irgendwo der oder die Neue? Wie fühlt sich das an? Ist es daher verlockend, wenn Gott mich und mein Leben neu machen will?

Wochenspruch  – 1. Petr 1, 3

Psalmgebet – Ps 116, 1-9.13

Predigttext – 1. Petr 1, 3-9

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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Ich bin nicht gerne die Neue. Ich finde es furchtbar, wenn ich irgendwo hin gehe und niemanden kenne und die Neue bin. Ob in der Sportgruppe oder beim Volkshochschulkurs. Damals, als ich in den Chor einer Kirchengemeinde neu hinzugekommen bin. Und wenn ich daran denke, wie ich als Kind zu so manchem neuen Kind, das in die Klasse kam, nicht so besonders nett war, dann bestärkt das sehr mein Gefühl, dass neu sein in einer Gruppe gar nicht leicht ist. Klar, ich bin offen, habe eigentlich keine Probleme auf Menschen zu zugehen und dennoch ist die Neue zu sein, nicht so leicht. Zwischen Ablehnung und wohlwollender Neugier kommt einem alles entgegen und es dauert bis man seinen Platz in der Gruppe gefunden hat oder schlimmstenfalls nie findet.

 

Und ziemlich genau das ist das Thema des heutigen Predigttextes. Du bist der oder die Neue. Warum? Weil du glaubst? An diesen Jesus. Der, der Sohn Gottes sein soll. Der aus Liebe zu jedem Menschen gestorben ist. Der, der nie einen Menschen aufgibt. Keinen Judas, der ihn verraten und somit dem Tod preisgegeben hat. Denn Jesus hat, obwohl er wusste, dass Judas ihn verraten wird, ihm genau so die Füße gewaschen, wie all den anderen mit denen er das Passahmahl gefeiert hat, an seinem letzten Abend. Er hat den Verräter nicht aus der Gemeinschaft verwiesen. Judas durfte der Freund unter Freunden bleiben, trotz allem.

Und genau so hat Jesus auch nicht Petrus aufs Abstellgleis gestellt, weil der ihn drei Mal verraten hat, obwohl er das niemals tun wollte. Aber er tat es trotzdem. Aus Angst. Aus Verzweiflung. Und Jesus? Der hat den Tod aus Liebe aus sich genommen, um nach seiner Auferstehung zu den Frauen, die am leeren Grab waren und Jesus auf den zweiten Blick dann doch erkannten, zu sagen: „Erzählt meinen Freunden von dem, was ihr hier gesehen habt. Und auch Petrus!“ Jesus lässt Petrus nicht außen vor. Er ist und bleibt sein Freund. Das ist Jesus. So handelt Gott in dem Menschen Jesus, damit wir sehen, begreifen und glauben können, dass es einen Neuanfang gibt. Immer.

Im Leben, nach jedem Mist, den ich gebaut habe, nach jeder Niederlage, nach jeder Enttäuschung, nach jeder Trauer und jedem Schmerz. Und es gibt einen Neuanfang sogar nach dem Tod. Neues Leben. Gott macht neu. Fang an, das zu glauben. Deshalb wurde es Ostern und wird es jedes Jahr aufs Neue. Und da ist es – diese Neue!

 

Bei Gott beginnt die Geschichte mit mir und meinem Leben neu. Neu?

Es ist schwer genug das zu glauben. Kann ich es auch wollen? Es klingt so leicht, so spannend und hoffnungsvoll, aber ich weiß doch: Neu sein, das ist doch gar nicht so leicht.

Ich bin die Neue.

 

Der Schreiber im 1. Petrusbrief, er will mich heute davon überzeugen, dass der Glaube an Jesus meine Rettung ist, obwohl es schwer ist, all das Unglaubliche zu glauben, was der Glaube verspricht. Es ist die Rettung, weil all das, was dieser Glaube verspricht, mein Leben neu macht. Glauben heißt, an die unverbrüchliche Liebe Gottes zu glauben. Daran, dass diese Liebe für mein Leben gilt.

Da ist dann in der Angst, der Moment, dass ich mich nicht allein fühle, weil ich geliebt werde. Da ist in der Sorge die Hoffnung, dass die Liebe Gottes es dennoch gut mit mir meint. Da ist in der Verzweiflung ein Ort, an dem ich Gott schreiend und weinend alles klagen kann. Da ist Liebe, die meinen Selbstwert stärkt und mich so mutiger macht. Die Liebe Gottes ist meine Rettung. Daher glaubt! Ruft mir der heutige Text zu.

Aber das ist bei weitem nicht alles, denn der Schreiber weiß:

 

  1. Du warst nicht dabei als Jesus seine Wunder vollbracht hat. Als er Menschen heilte und seine ganze Liebe seinen Freunden und Freundinnen zeigte. Du warst nicht dabei, als er starb und auferstand. Du warst nicht dabei, als er den Frauen am Grab begegnete. Dein Weg zum Glauben führt nicht über die leibhaftige Begegnung mit dem auferstanden Jesus.

 

Und 2. weiß der Schreiber: Ein Glaube, der alles auf den Kopf stellt. Dein Leben komplett verändert. Weil er alles neu macht – deine Gedanken, dein Handeln, deine Ethik… Ein solcher Glaube ist nicht so leicht zu leben, denn du wirst in deinem Umfeld dann als der oder die Neue wahrgenommen. Das kann anstrengend sein.

 

All das weiß der Schreiber und sagt dennoch: Glaube! Glaube an den Neuanfang! Habe Mut der oder die Neue zu sein, denn darin liegt alles, was du zum Leben und Sterben brauchst.

Und jetzt? Was mache ich damit?

 

Ich verstehe den Schreiber im 1. Petrusbrief so:

Lass dich darauf ein. Lass dich auf den Glauben ein. Ich kann Jesus heute nicht begegnen wie die Menschen es vor 2000 Jahren getan haben. Aber ich höre zum Beispiel wie ein Mensch im Eingangspsalm, den wir vorhin gehört haben, sagt: Gott ist gnädig, barmherzig. Ich kann in der Bibel lesen, wie Jesus mit Judas und Petrus umgegangen ist. Ich kann Lieder singen, in denen Menschen ihre Erfahrungen mit diesem Gott in berührende Melodien und Worte fassen. Ich kann erleben, wie Menschen, die angefangen haben, diesem Gott zu vertrauen, sich verändern, ihr Leben neu ausrichten. Ich werde den Glauben, die Liebe Gottes nur finden, wenn ich selbst Gotteserfahrungen mache. Mich ihnen öffne und schaue, was passiert. Deshalb ist so wichtig, dass es Menschen gibt, die über ihren Glauben reden, ihn bekennen vor anderen und mutig leben, obwohl sie vielleicht durch ihr neues, anderes Denken, zum Außenseiter werden. Irgendwie nicht von dieser Welt erscheinen. Weil sie vielleicht mehr Verzeihen, mehr Geduld, mehr Liebe haben als andere. Es braucht Menschen, die Gottes Liebe sichtbar machen, damit andere glauben können und selbst verändert werden.

 

Und ich verstehe den Schreiber im 1. Petrusbrief auch so:

Es kann sein, dass du, wenn du im Glauben an Gottes Liebe lebst, als Außenseiter wahrgenommen wirst. Vielleicht verlacht wirst, weil dein Glaube naiv erscheint, deine Hoffnung auf einen Menschen zurück geht, der tot war und auferstanden ist. Weil du vielleicht nicht mehr mitmachst im Treiben der anderen oder deinen Mund aufmachst, wenn es ungerecht wird. So vieles kann sich durch den Glauben verändern. Für dich persönlich zum absoluten Vorteil, aber vielleicht musst du deinen Platz in der Welt neu finden.

Ja, ich bin nicht gern die Neue. Aber auf meinem Glaubensweg habe ich Menschen gefunden, die mit mir unterwegs sind. Die sich auch immer wieder durch die Liebe Gottes erneuern lassen. Wir brauchen uns gegenseitig, nicht um uns abzugrenzen von der Welt, sondern um in der Welt Gottes Liebe zu leben. Nicht immer perfekt. Nie perfekt! Aber immer von dem Wunsch getragen, dass sie sichtbar wird. Damit mehr Menschen diese Liebe entdecken und auch zum Glauben finden können: an Gott und seine große Liebe, die alles verändert. Alles neu macht.