Druck raus

Du musst, du sollst und hoffentlich klappt es dann auch. Druck machen. Auch Christ:innen können unter Leistungsdruck geraten. Aus diesem Blickwinkel hören wir heute von einer Geschichte aus dem Markusevangelium und beten mit berühmten Worten aus Psalm 119.

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Jesus war ein hervorragender Geschichtenerzähler. Wobei das Wort Geschichtenerzähler einen falschen Eindruck erwecken könnte. Jesus erzählte keine Geschichten, die klingen wie Schneewittchen oder Rapunzel. Aber gerade so wie diese Märchen, haben seine Geschichten auch eine tiefere Bedeutung. Sie sind Beispielgeschichten, Gleichnisse, mit denen sich die Menschen ein Bild von Gott, dem Reich Gottes, dem Glauben an Gott und dem Leben an Gott machen können.

 

Gerade haben wir das Gleichnis vom Wachsen der Saat gehört.

Ein Sämann geht auf sein Feld, wirft die Körner umsichtig auf den Ackerboden und geht nach Hause. Viel mehr kann er auch gar nicht tun, denn zu Jesus Zeit gab es weder Bewässerungssysteme, wie in der heutigen Landwirtschaft, noch Düngemittel, die gleich mit der Saat im Boden versenkt werden.

Der Sämann sät also aus und geht nach Hause. Genau genommen geht er schlafen. Viel kann der Sämann nicht ausrichten. Ob das Feld am Ende einen guten Ertrag abwirft oder nicht, da kann er wenig bis nichts zu tun. Abwarten. Tag ein, Tag aus.

 

Doch dann bewegt sich etwas auf dem Feld. Die Saat geht tatsächlich auf – vielleicht nicht alle Körner, aber sehr viele. Und die Saat wächst und wächst.

Halm, Ähre, Weizen. Alles wächst bis zur Ernte, so wie es sein soll. Neue Frucht entsteht. Neues Saatgut für die nächste Ernte wächst.

 

An sich keine aufregende Geschichte. Dennoch erzählt diese Geschichte etwas über das Reich Gottes.

 

Etwas, das sehr simpel kling, aber gar nicht so leicht zu leben ist:

 

Jesus sagt, wenn du vom Reich Gottes erzählst, von deiner Geschichte mit Gott, von all dem was du erlebst, dann verhält sich letztlich wie in meiner Beispielgeschichte.

Du lässt andere an deinem Glauben teilhaben. Du teilst aus: Deine Erfahrungen, deine Erlebnisse mit Gott, warum Gott dir wichtig ist, warum er dir hilft und wo du diese Hilfe schon erlebt hast.

Du erzählst vielleicht von den Momenten, in denen dir Gott ganz nah war, aber vielleicht auch davon, dass du von Gott enttäuscht bist. Auch Zweifel und Fragen teilst du vielleicht mit anderen.

 

All das ist die Saat. Wie in dem Gleichnis. Sie wird ausgeworfen. Die Menschen erfahren von dir etwas, aber auch von Gott, von Jesus, wie du mit Gott lebst.

Vielleicht verstehen es die Menschen und können nachvollziehen, von was du redest, vielleicht verwundert es sie auch, vielleicht können sie es auch nicht verstehen. Vielleicht ist ihnen der Gedanke fremd, an etwas zu glauben, was man nicht sehen kann.

Aber gesät ist gesät.

Dass Gott anscheinend in deinem Leben eine Rolle spielt und dass der Glaube für dich wichtig ist, deinem Leben Halt gibt, diese Saat ist ausgesät.

Der erste Schritt.

 

Der zweite Schritt ist der, der mir persönlich eher schwer fällt. Warten. Warten bis die Saat aufgeht. Ob sie überhaupt aufgeht. Denn auf welchen Boden ist sie gefallen?  Auf fruchtbaren Boden? Wenn ich andere Menschen an meinem Leben mit Gott teilhaben lasse, dann weiß ich nicht, ob diese Worte, meine Geschichten mit Gott, sie ins Nachdenken bringen.

 

Manch eine und einer hört das Erzählte und fühlt sich gleich mit hineingenommen, stellt sich selbst die Frage nach der eigenen Beziehung zu Gott . Bei anderen benötigt es Zeit. Vielleicht eine lange Zeit. Vielleicht einen besonderen Moment, ein besonderes Erlebnis oder Gespräche mit anderen bis sie ins Nachdenken kommen.

 

Ich wünsche mir sehr, dass sich Menschen von dem, was ich über mein Leben mit Gott erzähle, angesprochen fühlen. Doch oft erlebe ich es eben nicht und werde ungeduldig.

Manches Mal bin ich frustriert.  Ich denke:  Da passiert ja gar nichts!

Hier kommt Jesus mit seinem Gleichnis wieder ins Spiel. Jesus sagt: Der Sämann selbst macht nichts – er schläft. Er lässt den Samen dort liegen, wo er ist und wartet ab, und das in Ruhe.

Das zu verinnerlichen ist schwer.

 

Es steht nicht in meiner Macht, es ist nicht unter meiner Kontrolle, was mit dem Samen passiert, was mit dem passiert, was ich über mein Leben mit Gott erzähle. Es ist nicht an mir, ob es in dem Anderen etwas bewirkt. Gott und sein Heiliger Geist sind es. Nicht ich.

 

Wichtig ist aber, dass ich säe!

Dass ich anderen Menschen von meinem Leben mit Gott erzähle. Nicht weil Gott das verlangt, sondern weil Gott mein Leben reich macht. Weil ein Leben mit ihm, besser ist, als ein Leben ohne ihn. Das sollen andere Menschen erfahren. Das ist  die frohe Botschaft. Es ist eine befreiende Botschaft, weil Gott frei macht. Gott will, dass seine Menschen sich nicht selbst versklaven, sondern erkennen, wer oder was sie gefangen hält. Dass ich davon erzähle, wie Gott mir Freiheit schenkt, davon wie ich sie erfahren habe.

 

Der nächste Schritt ist dann der dritte und letzte. Und das ist ein Bild, das zugegebenermaßen etwas verstörend ist.

Wenn die Frucht reif ist, kommt im Gleichnis der Sämann und nimmt die Sichel und haut die Frucht ab.

Eigentlich logisch. Übertragen heißt das, wenn derjenige, der von Gottes Wort gehört hat, seine eigenen Erfahrungen mit Gott gemacht hat. Selbst im Glauben gewachsen ist und Gott einen Platz in seinem Leben eingeräumt hat, dann ist auch da Erntezeit.

 

So wie die volle Ähre neuen Samen in sich birgt, so ist auch dieser Mensch nun selbst Sämann und kann säen, was in ihm und durch Gott in ihm gewachsen ist.

 

Ein neuer Kreislauf beginnt.

Sie selbst verstreuen Gottes Wort in ihrem Umfeld und säen und durchlaufen den gleichen Prozess, den wir selbst durchlaufen haben und immer wieder durchlaufen.

 

Vier Ratschläge sind es, die Jesus uns mit auf den Weg gibt:

 

Erstens: Mach dich auf den Weg. Erzähl von Gott, so, wie es zu dir passt. Wichtig ist nur: Tu es!

 

Zweitens: Lass Gott mal machen. Du kannst nichts machen. Allein Gott und der Heilige Geist bringen deinen Samen zum Blühen.

 

Drittens: Stress dich nicht. Leg deine Eitelkeit ab, dass gerade deine Begegnung andere Menschen zu Gott führt. Vertrau auf Gott und gib den Menschen an Gott ab.

 

Viertens: Freu Dich daran, wenn Menschen zu Gott finden und du das erleben darfst. Durch dich oder andere. Freu dich, wenn sie selbst vor lauter Liebe zu Gott nicht anders können und von ihm erzählen.

 

Jesus will mich ermutigen von dem zu reden, was ich mit ihm erlebe. Das allein genügt. Das befreit mich von Erfolgsdruck und lässt Raum für Gottes Wirken. Amen