Hören!Folgen!

Nicht schwerhörig und doch nichts gehört. Das kann von Vorteil sein. Aber vielleicht habe ich auch schon so manche wichtige Botschaft verpasst. Geht hören nur mit den Ohren? Ein Impuls von Dorothee Burkhardt.

Wochenspruch – Hebr 3, 15

Psalmgebet – Ps 119,89-92.103-105.116

Predigttext – Apg 16, 9-15

Ein Dank an die Deutsche Bibelgesellschaft für die Nutzung der Textrechte.

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„Wer nicht hören will, muss fühlen“

In meiner Herkunftsfamilie wurde der Spruch als Erziehungsmaßnahme eingesetzt, er sollte zum Gehorsam führen…. „Tu was ich dir sage“ hieß das – und wenn nicht, dann würde man schon die Strafe oder die Schwierigkeiten fühlen, die man zu erwarten hatte…

„Wer nicht hören will, muss fühlen“- ich mochte diesen Spruch nie! Das klang so nach Drohung…

Und doch: Es steckt ja tatsächlich eine Weisheit in dem Sprichwort! Denn: Jedes Handeln hat natürlich seine Folgen.

Nicht Zähneputzen führt zu Karies, den TÜV nicht zu erneuern, obwohl mein Mann mich rechtzeitig erinnert hat, bedeutet das Risiko, ein Knöllchen zu bekommen, oder die Mitschuld an einem eigentlich unverschuldeten Unfall, den Rat des Arztes zu überhören, kann ein Gesundheitsrisiko werden…

Dennoch, ich würde gerne den Spruch umkehren:

Statt: “Wer nicht hören will, muss fühlen“, in:

„Wer hinhört, wird etwas erleben, etwas Bedeutendes“.

Ich meine etwas, das gut ist, das Sinn stiftet, das erfüllt und weiterbringt.

So ging es auch dem Wanderprediger Paulus in der gerade gehörten Geschichte.

Er ist auf einer sogenannten Missionsreise unterwegs, will christliche Gemeinden gründen. Und er will die bereits von ihm gegründeten Gemeinden besuchen, sie ermutigen und dort nach dem Rechten sehen…

Das Reisen damals ist mühsam, da ist man lange zu Fuß unterwegs oder – den Launen des Meeres ausgesetzt- mit dem Segelschiff. Das erfordert Zielstrebigkeit, Entschlossenheit, Mut und Planung.

Und trotzdem: Da ändert dieser Paulus doch tatsächlich aufgrund eines Traumes seine komplette Reiseroute! „

Im Traum erscheint ihm ein Mann und der sagt zu ihm: „Komm nach Mazedonien und hilf uns!“

Das liegt aber in einer ganz anderen Richtung, sogar auf einem anderen Kontinent.

Warum Paulus dennoch sofort mit seinem Begleiter loszieht nach diesem Mazedonien? Paulus ist davon überzeugt, dass der Traum von Gott kommt, dass er Gottes Stimme gehört hat. Und die hat ihm einen Auftrag gegeben. Im Traum.

Paulus ist nicht blauäugig, er ist einfach sehr erfahren, sehr eng mit Gott verbunden. Der Geist Gottes ist sein Navi. Zeigt ihm mal durch Blockaden und Hindernisse, dass seine Route nicht geeignet ist. Oder zeigt neue Routen durch Gottes Stimme im Traum. Nur weil dieses Navi aktiviert ist, hat Paulus den Mut seine Reispläne zu ändern, um letztendlich nach Gottes Willen zu reisen.

 

“Wer hinhört, erlebt was Bedeutendes“

Angekommen in der Stadt Philippi trifft Paulus auf eine jüdisch gläubige Frau. Sie heißt Lydia und ist eine reiche Geschäftsfrau. Sie hört die Predigt von Paulus, wird davon im Herzen so berührt, dass sie auch zu diesem Jesus gehören will. Und so lässt sie sich mit allen Menschen aus ihrem Haus taufen.

 

Daraus ist sogar die erste christliche Gemeinde in Europa entstanden. Das ist doch erstaunlich

 

Zu Lydia hat Gott keine Traumstimme geschickt, sondern eine Herzensstimme. „Gott öffnete ihr Herz“, heißt es. Und mit diesem offenen Herzen konnte sie Gott besser hören.

Beide, Paulus und Lydia, werden mit Freude belohnt dafür, auf Gottes Stimme gehört zu haben.

 

Ich liebe es, gute Stimmen zu hören. Stimmen von Sängerinnen und Sängern, zum Beispiel im Musical, Stimmen voller Klang und Brillanz. Stimmen von Erzählern im Hörbuch oder von Sprechern bei einem guten Vortrag. Da will ich hinhören. Da schalte ich auf Empfang…

Und wenn es um Lebensfragen geht, sehne ich mich nach der Stimme, die mir gut zuspricht, die mir Orientierung gibt, die mir hilft oder mich korrigiert.

Gott kann das, er kann diese Stimme sein.

Er kann Hoffnung aussprechen, wo alles trübe aussieht. Er kann Möglichkeiten eröffnen, wo ich grade keinen Weg sehe. Oder sich in den Weg stellen, wie bei Paulus. Er kann Mut machen, wo ich mir etwas nicht zutraue.

Das Gute ist, Gott hat so viele Möglichkeiten zu sprechen. Mal durch andere Menschen, mal durch das, was wir in der Bibel lesen, mal durch die Umstände, wenn die Türen auf unserem Weg nicht offen sind, sondern verschlossen und sich andere öffnen …

Gott hat richtig viele Kanäle, um uns Menschen zu erreichen.

Mit diesem Ansatz habe ich ihn oft gefragt in den letzten Wochen, was er zu der Bundestagswahl und zu den möglichen Parteien und Kandidat:innen meint. Da fühle ich mich als Wählerin ganz schön überfordert. Wie gerne hätte ich einen ausgefüllten Wahlzettel von Gott gesehen, weil der doch alle Weisheit und Erkenntnis hat. Aber der himmlische Wahlzettel ist nicht gekommen.

Das Stimmengewirr um mich herum ist allerdings sehr aktiv:

Da drängen sich Nachrichten um Nachrichten, meist schlechte, an die Ohren.  Es gibt laute und aufdringliche Stimmen, die rufen, sie würden alles besser machen, andere, die sich verteidigten. Es gibt Versprechen, die unglaubhaft wirken. Viele Menschen fordern und schimpfen, weil sie sich benachteiligt fühlen und Angst haben.

Gott, wo ist deine Stimme, warum hören wir dich nicht klar und deutlich? Nicht nur in Sachen Regierungswahl, sondern in den vielen Fragen unseres Lebens?

Vielleicht habe ich oft falsche Vorstellungen, wie ich Gott hören kann.

Ich glaube, dass Gott mir zumutet, beim Hören mitzuhelfen.

Er hat seinen Menschen Herz und Verstand gegeben. Wir können prüfen, was gesagt wird, auch zwischen den Zeilen. Wir können, müssen uns informieren, abwägen, hinterfragen, uns die Mühe machen, auch andere zu verstehen, anstatt nur auf unserer Sicht und unseren Vorstellungen zu beharren.

Ein Handy, das nicht auf Empfang steht, kann keine Informationen verarbeiten oder weiterleiten. Wenn ich auf Empfang stehe, wie Paulus und Lydia, dann kann Gott in mir arbeiten, mich erreichen.

Indem ich Gottes Worte auf mich wirken lasse, die Bibel lese, mit Gott im Gebet meine Fragen und Anliegen durchspreche, mich auf seine Werte besinne. Mich mit anderen zusammentue, dass wir gemeinsam nach Lösungen suchen. Oder ich auch mal zur Ruhe finde, alle lauten Stimmen in mir und um mich herum ausblende. Achtsam werde für die leisen Stimmen.

Und dann kommen vielleicht ganz neue Gedanken, Ideen, Vorstellungen.

„Wer hinhört, wird etwas erleben, etwas von Bedeutung.“ So habe ich den Satz aus meiner Kindheit umformuliert.

Bei Paulus ist es die Richtungsänderung auf seiner Reiseroute, bei Lydia ändert sich ihr komplettes Leben, weil sie nun ganz auf Jesus setzt und das mit ihrer Taufe zeigt.

 

Vor Kurzem bin ich auf etwas gestoßen, das mich schwer beeindruckt hat.

Ich habe ein Musikvideo zu einem Lied über Jesus angeschaut. Es geht darin darum, was Jesus in einem Leben wirken kann.

In einem Kommentar unter diesem Lied schrieb eine Person mit Namen Christian:

„Dieses Lied hat meinem Nachbarn das Leben gerettet. Er saß schon im 6.Stock auf dem Fenstersims und ließ draußen schon die Beine herunter baumeln. Ich wusste das gar nicht“, schreibt er. „Ich ließ dieses Lied über youtube laufen und öffnete das Fenster, weil mir warm war. Eine Weile später klingelte seine Frau bei mir und wollte das Lied auch hören. Ich konnte ein Zeugnis von meinem Glauben geben“. So schreibt Christian.

 

Ist das nicht genial, da hat jemand das Fenster aufgemacht und ein anderer hat die Musik gehört. Nein, noch mehr, er hat die lebensrettende Nachricht für sich bekommen. Die Nachricht von den unbegrenzten Möglichkeiten, die Gott für ein Menschenleben hat. Und er hat hingehört, wurde getroffen von dieser Botschaft. Hat seinen Plan geändert und sich nicht in die Tiefe von sechs Stockwerken gestürzt.

Wie gut, wenn Menschen die Fenster öffnen, oder die Türen, oder die Familie, oder das Herz.

Dieser verzweifelte Nachbar hat hingehört und konnte was erleben, etwas, das ihm neue Kraft zum Leben gegeben hat. Das will ich auch. Immer wieder.

Ich möchte für Gott auf Empfang stehen und darauf vertrauen, dass er in mir schon wirkt, egal wie deutlich ich ihn hören kann. Denn er sagt, dass sein Geist in mir ist. In uns.

So, und in diesem Wissen gehe ich nun nach reiflicher Prüfung zur Bundestagswahl. Auf dem bequemen Sofa zu bleiben, mich rauszuhalten und womöglich hinterher mit anderen zusammen zu klagen, ist keine Option.

Gott segne unser Hören und Handeln.

Amen