Welcome home!

Herzlich willkommen zu diesem kleinen gottesdienst von radio m.

Heute dreht sich alles um die Lebenswende. Die Frage ist: Wovon wende ich mich ab und wo wende ich mich hin?

 

Wir feiern im Vertrauen auf Gott: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Amen

Wochenspruch – Lk 19, 10

Psalmgebet – Ps 103, 1-13

Predigttext  – Lk 15, 1-3. 11b-32

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Schön, dass Sie noch dabei sind! Könnte ja sein, dass Sie diese Geschichte bereits zum 1000sten Mal gehört haben und zwischendurch mal einen Kaffee geholt haben.

Die Geschichte vom verlorenen Sohn ist vielleicht die bekannteste Geschichte der Bibel. Ja, wir wissen, wie es lief.

Ist doch eigentlich alles gesagt in dieser Parabel, die Jesus erzählt hat. Er hat sie übrigens denen erzählt, die sich darüber aufgeregt haben, dass sich Jesus, der Gottesmann, mit Betrügern und Gesindel abgibt. Mit ihnen isst und trinkt. Ja und auch diese nicht gern gesehenen Gestalten haben

diese Geschichte gehört.

Der Vater liebt alle. Die Verlorengegangenen, die Heimgekehrten, die Zurückgebliebenen. Punkt.

Das Problem: Das mag so sein, aber ich komme damit nicht klar.

Ich komme nicht damit klar, dass der Vater in der Geschichte den Sohn ohne Widerworte ziehen lässt. Ein „du wirst schon sehen, wie weit du kommst“, wäre das Mindeste gewesen.

Ich komme nicht damit klar, dass der Vater eine riesen Party schmeißt und nicht mal von dem Sohn hören will, was der alles getrieben hat. Vergangen. Erledigt. Neuanfang.

Ich komme nicht damit klar, dass das gerecht sein soll. Werden hier beide Söhne wirklich gleich behandelt?

Drei Punkte sind mir heute wichtig.

 

  1. Gott lässt mich ziehen.

Da gibt es kein: Du wirst schon sehen, wie weit du kommst. Nein. Er akzeptiert meine Entscheidung. Er überträgt mir die Verantwortung für mein Leben. Ich bin Akteur. Ich kann entscheiden, wohin die Reise geht. Das hat vor allem eine gute Seite. Gott lässt mir Freiheit. Es hat natürlich auch eine schlechte Seite. Diese Freiheit gebührt allen Menschen und manche treffen wirklich keine guten Entscheidungen. Entscheidungen, die auch mein Leben betreffen und oft auch das Leben vieler anderer. Ich habe die Wahl. Die anderen eben auch.

Der eine Sohn lässt sich auszahlen und entscheidet darüber hinaus alles in Partys und das Vergnügen zu investieren. Der andere entscheidet sich beim Vater zu bleiben und ihm zu helfen, den Hof zu bestellen. Warum sich der eine so oder so entscheidet, das ist manchmal nicht ganz offensichtlich. Es kann Neugier sein, das Gefühl raus zu müssen, sich ausprobieren zu müssen, Unzufriedenheit und Perspektivlosigkeit. Es kann Angst sein. Pflichtbewusstsein. Faulheit und Bequemlichkeit. Da wird manches auch zusammenkommen, bis eine Entscheidung gefällt ist.

Das führt zu Punkt 2.

 

  1. Wie entscheide ich mich? Was sind meine Beweggründe? Welche Erwartungen und Vorstellungen leiten mich?

Mir scheint, dass der Sohn, der losgezogen ist, sehr genaue Vorstellung hatte, was er machen will. Wahrscheinlich ohne die Konsequenzen zu bedenken. Dennoch. Ich höre da auch viel Positives aus der Geschichte heraus. Dieser Sohn ist voller Energie und Lebenslust. Er ist neugierig. Aber eben auch leichtsinnig und er bestraft sich selbst durch seinen Lebensstil. Der Bankrott ist unabwendbar und die Folge ist körperliche und seelische Not.

Der daheimgebliebene Sohn trifft letztendlich auch eine Entscheidung. Doch auch hier stellt sich die Frage, wie bewusst ist sie getroffen und welche Motive leiten ihn? Aus seiner Reaktion nach der Heimkehr des Bruders ist zu schließen, dass es eher Pflichtgefühl dem Vater gegenüber war oder Bequemlichkeit. Außerdem scheint er die Vorstellung damit verbunden zu haben, dass sein Verhalten in ganz besonderer Weise belohnt und gewürdigt wird. Seine Vorstellung ist aber eine andere, als die des Vaters. Er hätte sich ein bisschen mehr Party für sich gewünscht. Und der Vater meint, dass der Sohn Zuhause doch alles hatte und alles was dem Vater gehört auch dem Sohn gehört. Ich höre daraus, dass der Daheimgebliebene gar nicht ermessen hat, was für einen Schatz er eigentlich die ganze Zeit gehabt hat. Dass er aus dem, was er hatte mehr hätte machen können. Dass sein Pflichtbewusstsein und seine Angepasstheit ihn gehindert haben, wirklich zu leben.  Er hat seine Möglichkeiten gar nicht genutzt. Er war eigentlich nur an der Anerkennung durch seinen Vater interessiert. Selbstbezogen und selbstgerecht. Das kann auch eine Motivation sein und ein Motiv, wenn Entscheidungen zu treffen sind.

Insofern haben sich beide Söhne vom Vater abgewandt. Beide haben sich verloren und den Kontakt zum Vater. Es ist eigentlich die Geschichte von zwei verlorenen Söhnen. Was am Ende auch deutlich wird. Denn auch der Daheimgebliebene Sohn wird vom Vater wieder zurück in die Gemeinschaft geholt. Ganz bewusst lädt der Vater ihn zum Fest ein.

Interessant ist auch, dass der jüngere Sohn, der weggegangen ist, mehrere ganz bewusste Entscheidungen auf seinem Weg getroffen hat. Zunächst, dass er das Erbe verlangte, dann hat er sich für bewusstes Verprassen entschieden und dann dazu, als alles Geld ausgegeben war, dass er sich an einen „Bürger des Landes“ hängt, um bei ihm zu arbeiten. Er ist also nicht gleich auf die Idee gekommen, wieder heimzukehren. Er hat noch etwas anderes versucht, um mit dem Leben klarzukommen. Diese Formulierung. Dieses „anhängen“. Es macht mir klar, wie leicht ich mich von Dingen oder Menschen beeinflussen lasse. Ich hänge ihnen an. Versuche mein Glück. Nicht mehr dem Vater anhängen. Nicht mehr Gott anhängen, wo anders mein Glück versuchen.

So komme ich zu Punkt 3.

 

  1. Erwachen oder mich fragen: Was ist aus mir geworden?

So ähnlich fragt sich der jüngere Sohn. Er sitzt bei den Schweinen und hungert. Nicht mal das Schweinefutter ist ihm vergönnt. Tiefer fallen geht nicht mehr. Weiter weg von einem erfüllten Leben geht nicht mehr. Das erinnert mich an viele Geschichten, die ich schon von Menschen gehört habe, die ganz unten waren in ihrem Leben und dann von Gott gefunden wurden und einen Neuanfang gewagt haben. Lebenswende. Reflexion über das bisherige Leben, abwenden von dem, was schief gelaufen ist und Hinwendung zu einem neuen Leben unter anderen Vorzeichen. Diese Lebenswende legt der jüngere Sohn hin. Ob der ältere auch zu einer Lebenswende bereit war? Das erzählt der Text nicht. Aber klar ist: auch bei ihm wäre eine Lebenswende dran. Und das obwohl er beim Vater geblieben ist. Sein Beim-Vater-bleiben war anscheinend keines aus freien Stücken. Auch hier wäre eine Lebenswende dran.

 

Daher: Der Vater behandelt die Söhne sehr wohl gleich. Beide lädt er ein, wieder echte, wirkliche Gemeinschaft mit ihm zu haben. Und dabei ist er nicht daran interessiert, was im Einzelnen vorgefallen ist. Wichtig ist ihm, dass die Söhne zurückkommen zu ihm. Bewusst feststellen, dass die getroffenen Entscheidungen in die falsche Richtung gingen, weil sie egoistisch, selbstgefällig, trotzig, wie auch immer waren und ihnen selbst und anderen nicht gut getan haben.

Ja, und auch wenn ich mir ursprünglich gewünscht habe, dass der Vater dem Jüngeren hinterherruft: „Du wirst schon sehen!“ So froh bin ich, dass er es nicht getan hat. Wenn Gott so ist, wie dieser Vater, dann will er selbst bei falschen Entscheidungen nicht, dass wir in unser Unglück rennen. Dann wünscht er uns trotz falscher Wege, dass wir heil bleiben. Um so auch wieder zurückfinden zu können zu ihm.

 

Amen

 

Wir wünschen Ihnen Zeit und Raum, dass Sie diese Gedanken in sich bewegen können. Dass sie wachsen dürfen und Sie vielleicht dazu anregen mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen. Danke, dass Sie diesen kleinen gottesdienst mit uns gefeiert haben.

Gott segne Sie:

Gott, du liebender Vater, du liebende Mutter, halte uns fest.

Gott, du lebendiger Sohn in Jesus Christus, berühre uns.

Gott, du heilige Geistes Kraft, öffne unsere Herzen.

So segne dich der drei einige Gott: Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist –

Amen